FAQs: Biotonne im Landkreis Tübingen

Bioabfälle sind biologisch abbaubare Abfälle pflanzlicher oder tierischer Herkunft, beispielsweise Küchen- oder Gartenabfälle. Zur Sammlung von Bioabfällen steht im Landkreis Tübingen (LK TÜ) die grüne Biotonne im Hol-System flächendeckend zur Verfügung. Ergänzt wird die Biotonne durch einen bei den Gemeindeverwaltungen erhältlichen „Laubsack“. Über diesen können unregelmäßig anfallende Mehrmengen an Bioabfall gemeinsam mit der Biotonne entsorgt werden. Zusätzlich können Grünabfälle auch über ein Bring-System (Häckselplätze, Wertstoffhof) oder im Rahmen der zweimal jährlich stattfindenden Häckselgutabfuhr erfasst und verwertet werden. Sämtliche Sammeltermine können unserem Online-Kalender entnommen werden. Im nachfolgenden Bericht möchten wir Ihnen Hinweise und Fakten zur Biotonne im LK TÜ präsentieren.

FAQs im Überblick

Wie viel kostet die Biotonne eigentlich?

  • Folgende Biotonnen-Größen werden angeboten: 40, 60, 80, 120, 240 L mit einer Behälterjahresgebühr zwischen 50-300 €
  • Die Abfuhr der Biotonne findet 14-tägig statt und im Zeitraum von Juni bis September wöchentlich. Folglich werden über 30 Leerungen pro Jahr über die Jahresgebühr abgedeckt. Mit anderen Worten, ein Volumen von 1.200-7.200 L an Bioabfällen lässt sich über die Biotonne entsorgen
  • Bei 30 Jahresleerungen ergibt dies je nach Behältergröße Kosten zwischen 1-8 € je Leerung
  • Die genauen Gebühren zu Ihrer Biotonne und den anderen Müllarten erhalten Sie auf unserer Website: Privathaushalte, Gewerbebetriebe

Wie werden unsere Biotonnen-Abfälle verwertet?

Im LK TÜ werden alle über die Biotonne gesammelten Bioabfälle stofflich über die Kompostierungsanlagen und/oder über Biogasanlagen in Pfaffenhofen, Singen, Amtzell, Deißlingen und Freudenstadt verwertet. Das bedeutet wiederum, dass sämtliche Bioabfälle auch wieder als Kompost bzw. Dünger rückgeführt werden, vorrangig in die Landwirtschaft. Mit anderen Worten: Schlechte Bioabfallqualitäten wirken sich vor allem negativ auf uns und unsere Umwelt aus.

Trotz verschiedener Aufbereitungsverfahren an den Verwertungsanlagen, ist die sortenreine Sammlung von Bioabfällen (direkt in den Haushalten) daher von entscheidender Bedeutung. Insbesondere kleinste Plastikpartikel (sogenanntes Mikroplastik) sind problematisch. Diese entstehen unter anderem auch dadurch, dass größere Plastikpartikel im Rahmen der Bioabfallaufbereitung weiterzerkleinert werden. Bitte achten Sie daher darauf, dass kein Plastik in die Biotonne gelangt.

Abb. 1: Bioabfälle aus dem Landkreis Tübingen und erfasste Störstoffe.

Darf ich Bioplastik (z.B. kompostierbare Beutel) über die Biotonne entsorgen?

Hierauf antworten wir mit einem klaren „Jein“.

Als zunehmend problematisch sind vermeintlich kompostierbare Produkte oder Tüten auf Basis von Bioplastik zu sehen. Diese Produkte sind nicht einheitlich definiert und es existiert eine Vielzahl von Normen, ab wann bzw. unter welchen Voraussetzungen ein Produkt als „Bio“ bezeichnet werden darf. Fakt ist, dass die momentan auch politisch stark diskutierten biologisch-abbaubaren bzw. kompostierbaren Bioplastik-Beutel zur Sammlung von Bioabfällen an den Verwertungsanlagen einerseits zu Problemen in den Prozessen führen. Andererseits ist die Kompostierbarkeit der Biobeutel oftmals nur unter Laborbedingungen (also genormten Bedingungen), nicht aber in Praxisanlagen oder gar in der Heimkompostierung, möglich. Zweifellos, Biobeutel zur Sammlung von Bioabfällen weisen Vorteile auf – beispielsweise hygienische Aspekte oder auch bei Frost (siehe Frostsack).

Die Verwendung zertifizierter biobasierter, biologisch abbaubarer oder kompostierbarer Beutel ist auch weiterhin im LK TÜ erlaubt (unsere Beutel sind nach DIN EN 13432 zertifiziert und mit dem Keimling-Symbol gekennzeichnet). Dennoch empfehlen wir aus oben genannten Gründen auf die Verwendung von Bioplastik-Beuteln zu verzichten und stattdessen Papiertüten zu verwenden (z.B. auch Papiertüten mit einer Wachsbeschichtung).

Wie viele Biotonnen sind im Landkreis Tübingen im Einsatz?

Derzeit werden im LK TÜ über 30.500 Biotonnen genutzt und durch die zuständigen Entsorgungsfirmen geleert. Auf die Stadt Tübingen (inkl. der Teilorte) entfallen hiervon insg. über 10.600 Biotonnen (35 %). Bei einer typischen Tagesroute werden ca. 1.000 Biotonnen geleert. Zwei Drittel aller Biotonnen des LK TÜ weisen ein Volumen von 40-60 L auf.


Abb. 2: Anzahl und Volumina der Biotonnen im Landkreis Tübingen

Welche Abfallmengen entstehen überhaupt bei uns im Landkreis Tübingen?

1993 wurde die Biotonne im LK TÜ eingeführt. Seither nimmt die über die Biotonne erfasste Abfallmenge stetig zu (Abb. 3). Im Jahr 2020 wurden im LK TÜ insgesamt ca. 10.300 t Biotonne-Abfälle erfasst und der Verwertung (Vergärung, Kompostierung) zugeführt. Auch 2021 setzte sich dieser Trend fort und die Menge an Biotonnen-Abfällen stieg nach aktuellsten Zahlen auf 10.500 t an. Steigende Mengen an Biotonnen-Abfällen gehen in der Regel Hand in Hand mit sinkenden Mengen an Restmüll. Dennoch: Eine aktuelle Hausmüllanalyse[1] für verschiedene Regionen in Deutschland hat gezeigt, dass eine immer noch zu große Menge an Bioabfällen im Restmüll verbleiben. Demnach könnten bis zu 40% des anfallenden Restmülls über die Biotonne entsorgt werden. Für den LK TÜ liegt derzeit keine aktuelle Restmüll-Analyse vor. Dennoch ist davon auszugehen, dass auch in unserem Landkreis die Menge an Biotonnen-Abfällen gesteigert bzw. die Restmüll-Menge weiter reduziert werden kann.

Abb. 3: Im Landkreis Tübingen erfasste Abfallmengen an Rest- und Biomüll (Biotonne) sowie Grünabfällen.

[1] Dornbusch et al. (2020). Vergleichende Analyse von Siedlungsabfällen aus repräsentativen Regionen in Deutschland zur Bestimmung des Anteils an Problemstoffen und verwertbaren Materialien. Umweltbundesamt (Hrsg.). Dessau-Roßlau. Abrufbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/vergleichende-analyse-von-siedlungsrestabfaellen (letzter Zugriff 03.03.2022).